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Kai Petersen ist seit 2002 Inhaber des
Recruiting-Spezialisten petersen consulting services.
Der Headhunter studierte Politik-, Staats- und
Sozialwissenschaften. Er ist Herausgeber des
'Executive Career Navigator' – dem ersten
elektronischem Karrieremagazins für
Führungskräfte im deutschsprachigen Raum. Im
Gespräch mit unserer Redaktion erläutert der
Rekruitingexperte für die Sicherheitsbranche, wie
und warum Manager zu Spionen mutieren und warum
sorgfältige Personalauswahl zum Sicherheitskonzept
innovativer Unternehmen zählen sollte.
Einstellungsstopp für Spione und Schnüffler
Sind alle oder nur Unternehmen
besonderer Branchen von Korruption und Ausspähung
bedroht?
Petersen: Anfällig sind besonders
mittelständische Hersteller, Distributoren und
Integratoren für Schlüsseltechnologien.
Besonders begehrt ist Spezialwissen um Prozesse,
Patente und Potentiale. Jeder vierte Täter ist im
geschädigten Unternehmen selbst
beschäftigt.
Kann man den gesamtwirtschaftlichen
Flurschaden einschätzen?
Seriöse Studien beziffern den pro Jahr durch
Spionage und Kriminalität entstehenden Schaden
für die deutsche Wirtschaft auf bis zu 100
Milliarden Euro. Hinzu kommt die Dunkelziffer nicht
gemeldeter oder schlichtweg nicht erkannter
Schäden.
Wer sind die Täter im
Management?
Manche Vorgesetzte und Leitungskollegen in den
Unternehmensbereichen Personalwesen, Vertrieb oder
Forschung versuchen sich an der unberechtigten
Weitergabe von Wissen. Spontan lassen sich dabei Gute
und Böse in den Führungsetagen nur
unterscheiden. Perfekter Schutz vor Wissensverlust ist
eine Illusion. Doch unerlaubte Wissensweitergabe ist
kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.
Taugt jede Führungskraft als
Quelle?
Jede Führungskraft hat Zugriff auf
unternehmenskritische Daten und Passworte. Das gilt
sowohl für die interne vertrauliche als auch die
Kommunikation mit externen Geschäftspartnern.
Nicht unterschätzen darf man den Faktor
"unbeabsichtigter Wissenstransfer" -
Geschäftsreisen und Meetings bergen dabei das
größte Risikopotential. Auch manch
technische Unzulänglichkeit macht leichtsinnige
Manager zu ergiebigen Quellen.
Was motiviert Manager, sich als
Wissensdiebe zu verdingen?
Kompetenzträger werden als mögliche
Informanten gezielt angesprochen. "Verführer"
kundschaften im Vorfeld Schwachpunkte bei
Lebensgewohnheiten und im sozialen Umfeld aus. Zu
solchen an Erpressung grenzenden Szenarien kommen
vielfältige Motive der Täter in
Nadelstreifen: Geld oder Aufstiegsperspektiven geboten;
auch gewisse Ethik- und Moralvorstellungen machen
käuflich.
Welche Auftraggeber stehen hinter den
Straftätern?
Wirtschaftsspione spähen für
ausländische Geheimdienste. Als Agenten sollen sie
dem Interesse des jeweiligen Staates dienen, der
heimische Unternehmen fördern und auszubauen will.
Verschärfte Wettbewerbsbedingungen der
Wirtschafts- und Arbeitswelt lassen aber auch
Unternehmen selbst zu entsprechenden Maßnahmen
greifen; Wirtschaftskriminelle spähen im Auftrag
konkurrierender Firmen.
Welche Rolle kommt Headhunter
hinsichtlich der Risikovorsorge zu?
Mittels Headhuntern können
Sicherheitsverantwortliche und Personalentscheider
schon bei der Personalauswahl Schlüssel-Know-how
gegen falsche Führungskräfte absichern.
Personalberater durchleuchten Bewerber, verifizieren
Lebensläufe, Zertifikate und Diplome. Dabei helfen
auch investigative Methoden, um Referenzen und
Empfehlungen als echt zu bestätigen. Es
zählen Authentizität, Loyalität,
Verlässlichkeit.
Damit ist jeder Bewerber
grundsätzlich verdächtig?
Neu-Managern werden grundsätzlich keine
verbrecherischen Absichten unterstellt. Doch in allen
Phasen der Personalgewinnung können
Verdachtsmomente überprüft und
ausgeräumt werden.
Wie unterstützen Headhunter
dabei das Unternehmen?
Schon bei der Analyse möglicher Zielfirmen, aus
denen künftige Leistungsträger abgeworben
werden könnten. Vor der Direktansprache
potentieller Kandidaten sind die Schlüsselfragen
geklärt: Welche ethischen, juristischen,
operativen Wettbewerbsgebote sind zu beachten? Wie
glaubwürdig ist der brancheninterne Wechsel des
Leistungsträgers für künftige
Kundenbeziehungen? Welche mittelbaren Konsequenzen hat
der Wechsel der Führungskraft für das
Konkurrenzverhältnis?
Wie gehen Headhunter mit
Verdachtsrisiken um?
Mit Methode bei der Direktansprache und Transparenz in
der Vorauswahl der Kandidaten. Die souveräne,
systematische Recruiting-Strategie sichert ein
vertrauensvolles Arbeitsklima für alle
Beteiligten.
Herr Petersen, Danke für das Gespräch.